„Willkommen im digitalen Austausch“

Am 3. April 2020 öffnete das Programm „Willkommen im Fußball“ zum ersten Mal seine digitalen Türen und begrüßte zwölf der insgesamt 23 Bündnisse zur Online-Runde mit dem Titel „Digitaler Austausch: ‚Willkommen im Fußball‘ in Zeiten von Corona“. 

Es nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus Profifußballclubs, Amateurvereinen, Stiftungen, interkulturellen Fußballprojekten, Akteurinnen und Akteure aus dem kommunalen Sportbereich sowie Trainerinnen und Trainer aus den Bündnissen teil. Das Ziel des Treffens war die noch intensivere (digitale) Vernetzung der Bündnisse untereinander. Sie sollten die Möglichkeit erhalten, sich über ihre Herausforderungen, Erfahrungen und Tipps bei der Umsetzung ihrer verschiedenen Angebote – die sie nun teilweise anpassen müssen – auszutauschen. Zu Beginn stellten zwei Bündnisse Praxisbeispiele zum Umgang mit den aktuellen Einschränkungen vor. In den Vordergrund wurde hier der gemeinsame Nenner aller Bündnisse gestellt: Sportangebote für junge Geflüchtete.

Sport treiben, Teamgeist aufrechterhalten, in Kontakt bleiben. Wie kann das digital gehen?

Praxiseinblick I: In safe hands e.V. (Bochum)
Greta Tacke von In safe hands (Bündnispartner im Bochumer Bündnis) präsentierte die „Zuhausezeit“. Mit diesem Projekt reagiert der Verein auf die Herausforderung, dass sie aufgrund der Schulschließungen nicht wie gewohnt jede Woche ihre sportpädagogischen AGs in den Turnhallen durchführen können. Die Ziele sind, die engagierte Elternarbeit zu Hause zu unterstützen und die Eltern zu motivieren, die gemeinsame entschleunigte Zeit mit den Kindern für die Intensivierung der Eltern-Kind-Beziehung zu nutzen. Dafür stellt In safe hands auf seiner Website und dem Facebook-Kanal verschiedene Übungen und Aufgaben zur Verfügung. Die Kinder und Jugendlichen können an diesen Übungen gemeinsam mit ihren Eltern arbeiten. Gleichzeitig gibt es Videos mit Sport- und Entspannungstrainings (z.B. Kinder-Yoga oder Fantasiereisen, aktuell noch keine fußballspezifischen Übungen), die die Kinder auch allein üben können, falls die Eltern z.B. keine Zeit für aufwendige Aufgaben haben.

Das gemeinsame verbindende Medium ist bei allen Übungen die Bewegung und der Sport. Damit möglichst viele Interessierte auf das Angebot aufmerksam werden, nutzt In safe hands neben seinem eigenen Netzwerk den Kontakt zu den Schulleitungen und Lehrkräften. Die Herausforderungen bei der Umsetzung des digitalen Projekts liegen in der Erreichbarkeit der Teilnehmenden sowie den fehlenden Rückmeldungen zu den Übungen, die das Team bisher in den Turnhallen direkt von den Kindern und Jugendlichen persönlich bekommen hat. Weniger herausfordernd war die Produktion der Videos für das Team. Bei der Umsetzung gehen sie sehr pragmatisch vor, filmen sich mit dem Handy und bearbeiten die Videos im Anschluss selbst. Auch wenn diese digitale Umstellung einige Hürden mit sich bringt, hat das Team viel Spaß an der Realisierung der „Zuhausezeit“ und hofft viel Positives für die Umsetzung künftiger Projekte mitnehmen zu können.

Praxiseinblick II: CHAMPIONS ohne GRENZEN e.V. (Berlin)
Arne Sprengel von CHAMPIONS ohne GRENZEN (Bündnispartner im Bündnis Berlin-Hertha) stellte verschiedene Kommunikations-Kanäle vor, mit denen sie den Kontakt zu den Teilnehmenden und den Zusammenhalt innerhalb der Teams konstant halten wollen, einzelnen Personen Unterstützung anbieten möchten sowie Informationen und Tipps teilen. Die Einschränkungen des Alltags haben besonderen Einfluss auf das Projekt „Start2Coach“ und den Kontakt zu den Geflüchteten, die hier zu Trainerinnen und Trainern ausgebildet werden. Die regelmäßigen Treffen im Rahmen des Projekts sind neben der Ausbildung eine konstante Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch, für persönliche Gespräche und individuelle Unterstützung. Damit diese Anknüpfungspunkte nicht verloren gehen, nutzt CHAMPIONS ohne GRENZEN unterschiedliche digitale Kanäle (z.B. Jitsi, geschlossene Facebook-Gruppen, Messenger-Dienste). Über diese Kanäle teilen sie Informationen zum Corona-Virus in verschiedenen Sprachen, die von den Teammitgliedern selbst übersetzt werden. Damit der digitale Austausch aufrechterhalten werden kann, motivieren sie die Teilnehmenden zu Wettbewerben, wie der „Klopapier-Challenge“.

Neben diesen lustigen Inhalten sprechen die Teams auch über ihre aktuellen Gefühle und damit verbunden auch über Ängste. Für die Regelmäßigkeit der Online-Treffen werden die festen Termine genutzt, an denen vor kurzer Zeit noch die Trainings außerhalb der eigenen vier Wände stattfanden. Per Videokonferenz nutzen sie die Zeit nun für die gemeinsamen Sportübungen und den sozialen Austausch. Zu Beginn wurden viele verschiedene Tools getestet, Erklärvideos zur Nutzung für die Teilnehmenden erstellt und sich selbst motiviert, die Rolle der Vorreiterinnen und Vorreiter einzunehmen. Dabei hat die Erfahrung gezeigt, dass sich die Verbindlichkeit über die digitalen Kanäle schwerer herstellen lässt. Ein Kanal-Mix kann die Lösung dafür sein: Über die Messenger-Dienste werden die Teilnehmenden an das Training erinnert, in der Videokonferenz treffen sich dann alle zum gemeinsamen Training. Die Herausforderung liegt auch hier in der Erreichbarkeit der Teilnehmenden. Bei der Umsetzung muss ausreichend Zeit eingeplant werden, um z.B. die neuen Tools für die Kommunikation und Video-Konferenz zu erklären. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, diese digitalen Angebote niedrigschwellig zu gestalten und die technische Ausrichtung gegebenenfalls anzupassen: Wenn die Jugendlichen sehr vertraut mit ihren Smartphones sind, kann man diesen Kanal auch für die Angebote nutzen und dafür auf Laptops oder PCs verzichten, welche sie häufig auch einfach nicht besitzen.

Bei der Anpassung und Umsetzung der neuen digitalen Angebote sollte man stets bedenken, dass die aktuelle Situation rund um das Corona-Virus besonders für junge Geflüchtete mit einer anderen Muttersprache eine hohe Belastung und zusätzlicher Stress sein kann. Grundsätzlich sollte bedacht werden, dass die aktuelle Situation für Menschen mit Fluchthintergrund besonders belastend sein kann. Sie befinden sich häufig ohnehin in schwierigen Lebenssituationen und haben möglicherweise Probleme, regionalspezifische Hinweise zur Situation mitzubekommen. Hier kann es Sinn machen sensibel vorzugehen und Unterstützung anzubieten. Informationen zum Corona-Virus in vielen Sprachen bietet die Website der Integrationsbeauftragten.

Erfahrungen und Tipps der Bündnisse in der offenen Austauschrunde

Bündnis Stuttgart:
• Die Vertreterinnen und Vertreter vom VfB Stuttgart stellten die clubeigene App „Trickkiste“ vor: Eine Fußballtraining-App, mit deren Hilfe die Userinnen und User neue Tricks und Skills von den Profis lernen können. Die App bietet Erklärvideos im 360-Grad-Modus, Tutorials und die Möglichkeit, andere Personen zu Challenges herauszufordern. Die „Trickkiste“ kann in der aktuellen Zeit zur Motivation sowie für Übungen mit den Teilnehmenden der Bündnisangebote genutzt werden.

• Das Stuttgarter Bündnis nutzt neben der App den Weg über verschiedene Online-Kanäle (Website, Facebook), um die Teilnehmenden der Bündnisangebote weiterhin zu erreichen. Selbstgedrehte Videos sollen die Kinder und Jugendlichen zu Sportübungen daheim motivieren. Die Produktion der Videos setzt das Bündnis ebenfalls pragmatisch mit einer einfachen Kamera bzw. Handy-Kamera und den vorinstallierten Videobearbeitungsprogrammen des PCs um.

Bündnis Berlin-Hertha:
• Bei der Organisation und Durchführung von Live-Trainings per Videokonferenz sollten die Trainerinnen und Trainer besonders an die Vorbereitung und Anleitung für die verwendete Technik denken und dafür ausreichend Zeit einplanen. Der technische Zugang sollte für alle Teilnehmenden möglichst einfach und die Umsetzung ebenso unkompliziert sein (z.B. wenig Fenster und Tabs gleichzeitig verwenden).

• Der Beratungsbedarf der Teilnehmenden des Berliner Bündnisses hat sich mit der aktuellen Situation verändert. Sie haben viele konkrete Fragen z.B. zum Thema Kurzarbeit, dem eingeschränkten Zugang zu Behörden, Möglichkeiten der Online-Betreuung sowie medizinischen Versorgung.

Bündnis Dortmund:
• Der Beratungsbedarf der jungen Geflüchteten ist weiterhin gleichgeblieben. Das Dortmunder Bündnis stellte die Kommunikation mit seinen Teilnehmenden aufgrund der Kontaktbeschränkungen lediglich auf digitale Kanäle um – bisher erfolgreich.

Bündnis Berlin-Hertha, Ingolstadt und Mainz:
• Ein Teil der jungen Spieler in den Bündnissen bietet Hilfe z.B. bei Einkäufen, Apothekenbesuchen oder der Hundebetreuung auch über das eigene Netzwerk hinaus an. Die Rückmeldungen auf diese Angebote sind jedoch bisher sehr gering bzw. kaum vorhanden.

Nach der erfolgreichen ersten Austauschrunde schaut das Programm „Willkommen im Fußball“ nun nach Lösungen, wie der „enge digitale Kontakt“ zukünftig weiterhin gehalten und damit auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Bündnissen gefördert werden kann. Ergänzende Tipps und Ressourcen für die digitale Umsetzung von Sportangeboten und die Motivation von Kindern und Jugendlichen findet ihr hier.


„Willkommen im Fußball“ ist ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, initiiert und gefördert von der DFL Stiftung und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Hinter den „Willkommen im Fußball“-Bündnissen steht die Kooperation eines Clubs der Bundesliga oder 2. Bundesliga mit lokalen Bildungsträgern, bürgerschaftlichen Initiativen oder kommunalen Akteuren sowie Amateurfußballvereinen. Neben 
regelmäßigen Trainingsangeboten bieten die lokalen Bündnisse ebenfalls Kultur-, Bildungs-, Qualifizierungs- und Vernetzungsangebote an.

Weitere Informationen zu „Willkommen im Fußball“ gibt es hier.

Bildnachweis: © CC BY-NC-SA 4.0 DKJS/ Alex Becker

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