„Wie ticken Jugendliche?“ – SINUS-Jugendstudie 2020 veröffentlicht

Was ist 14- bis 17-jährigen Teenagern wichtig? An welchen Werten orientieren sie sich und wie erleben sie ihren Alltag? Diesen und vielen weiteren Fragen geht die am heutigen Donnerstag veröffentlichte SINUS-Jugendstudie 2020 „Wie ticken Jugendliche?“ nach.

Nach 2008, 2012 und 2016 nimmt die Studie des SINUS-Instituts bereits zum vierten Mal eine empirische Bestandsaufnahme der Lebenswelten der 14- bis 17-Jährigen vor.

Sport und Fußball

Die Studie enthält diesmal Fragen zu spezifischen Interessenfeldern, zu denen auch der Sport und der Fußball im Speziellen zählen. Über 90 % der Befragten aller Lebenswelten können sich ein Leben ohne Sport nicht vorstellen und treiben – überwiegend regelmäßig – Sport. Beschrieben wird aber auch die (zeitliche) Herausforderung, regelmäßiges Sporttreiben in den Alltag zu integrieren.

Was verbinden die Jugendlichen mit dem Begriff Fußball, welche Bedeutung hat er für sie im Alltag und welchen Stellenwert nimmt der Fußball vor Ort ein? Die Studie zeigt, dass der Fußball unter Jugendlichen unabhängig von Lebenswelt oder Bildung ein weitgehend gutes Image genießt. Positive Fußballassoziationen beziehen sich vorwiegend auf Spaß an diesem Sport, auf Teamgeist, Leidenschaft und Leistungsbereitschaft. Viele von ihnen schreiben dem Fußball zudem eine integrative Kraft und das Hervorbringen von Vorbildern zu. Sie verbinden mit dem Fußball außerdem eine lebendige Fankultur. Für Jungen ist der Fußball ein wesentlich bedeutsameres Thema als für Mädchen.

Viele Befragte beklagen eine „Jeder-für-sich“-Mentalität und den fehlenden Zusammenhalt in der Gesellschaft. Sie haben Angst vor zunehmender Polarisierung, Hass und Aggression – die insbesondere bildungsferne Jugendliche in ihren Lebenswelten oft erleben. Hier liegt eine Chance für den Sport, denn für die Jugendlichen zählen neben Spaß, sportlichem Erfolg und sich auspowern Anschluss und Gemeinschaft zu den wichtigen Sportmotiven. Auch der Gesundheitsaspekt spielt für die 14- bis 17-Jährigen eine bedeutende Rolle. Darunter fallen sowohl die physische als auch die psychische Gesundheit.

Weitere wichtige Erkenntnisse

Die junge Generation ist ernster und besorgter geworden. Das betrifft den Umgang mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie und mehr noch die für sie offensichtliche Bedrohung durch die globale Klimakrise. Bei beiden Themen und im Allgemeinen fühlt sich diese Generation nicht ernst genommen und repräsentiert. Hierzu zählt auch die Politik. Die Jugendlichen beklagen die fehlende Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen und die mangelnde Repräsentation im politischen Raum. Wenn es etwas Schönes an Politik gibt, so die Ansicht der meisten Befragten, ist es nicht das Äußere bzw. die Form, sondern der Inhalt: Es gilt als schön, den Menschen zu helfen und sich für andere einzusetzen. Schön ist, wenn sich Menschen zusammenschließen und etwas für die Gemeinschaft tun. Schön sind Solidarität, Fairness und Gerechtigkeit, Demokratie und Meinungsfreiheit.

Die Studie enthält auch ein Sonderkapitel zur Corona-Pandemie, um einen ersten Eindruck über deren Auswirkungen zu gewinnen. Die Einschränkungen der persönlichen Freiheit und das reduzierte Freizeitangebot nerven zwar viele Jugendliche, sie erkennen jedoch die Notwendigkeit, sich damit zu arrangieren. Solidarität mit anderen spielt eine zentrale Rolle. Denn die befragten Jugendlichen haben zwar wenig Angst davor, sich selbst mit dem Virus zu infizieren, befürchten aber, andere Menschen anzustecken (Ältere, Großeltern etc.).

Die vollständige Studie als digitale Version zum Download gibt es hier.

Auftraggeber der vom SINUS-Institut durchgeführten Studie sind neben der DFL Stiftung die Bundeszentrale für politische Bildung, die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, die BARMER, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend, der Deutsche Fußball-Bund, die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung sowie die Deutsche Sportjugend.

mhadamzik

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