Nachgefragt beim BildungsKick Düsseldorf

Der Wunsch Jugendlicher nach Partizipation ist gerade im Hinblick auf die Corona-Pandemie aktueller denn je. Das Programm „Lernort Stadion“ nutzt seit 2009 an inzwischen 23 Standorten die besondere Atmosphäre von Fußballstadien, um das Interesse junger Menschen für politische Bildung zu wecken und sie dazu ermutigen, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen.  

Einer von drei neuen Standorten des Programms ist der Düsseldorfer Lernort BildungsKick. Wir haben mit Projektkoordinatorin Stefanie Stausberg und Paul Jäger, Direktor CSR bei dem am Projekt beteiligten Proficlub Fortuna Düsseldorf, über die Inhalte der Workshops, die Besonderheiten des Standorts und die Zukunftspläne des Lernorts gesprochen.

Stefanie, Ihr seid vor kurzem mit digitalen Workshops gestartet, nun stehen auch die ersten Präsenzworkshops an. Worauf können sich Jugendliche bei Euch in Düsseldorf freuen?

Wir bieten Workshops zu den Themengebieten Sexismus und Homofeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus sowie der Suchtprävention und Sozialen Medien an. Wie unsere Workshop-Titel „Der Ball ist bunt“, „Rechtsaußen – nur auf dem Spielfeld!“ oder „Versenkt im Netz“ schon vermuten lassen, verbindet unser Angebot politische und präventive Jugendbildung mit der Faszination Fußball. Der Fußball bietet hierbei die Chance, schwierige Themen spielerisch und auf Augenhöhe zu diskutieren. Unser „Klassenzimmer“ ist die Merkur Spiel-Arena. Eine themenbezogene Stadionführung gewährt einzigartige Einblicke hinter die Kulissen der Arena und ist fester Bestandteil jedes Workshops.

„Der Düsseldorfer „Bildungskick Lernort Stadion“ ermutigt Schüler und Jugendliche im Alter von 13 bis 20 Jahren, sich mit politischen Fragen auseinanderzusetzen und sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen.” (Paul Jäger)

Paul Jäger, Direktor CSR bei Fortuna Düsseldorf.

Herr Jäger, Fortuna Düsseldorf unterstützt als Proficlub vor Ort das Projekt. Warum ist Ihnen das Projekt als Club wichtig?

Die Fortuna engagiert sich seit rund 20 Jahren im sozialen Bereich in und um Düsseldorf und hat derzeit elf feste soziale Partner und Institutionen, die sie materiell und ideell unterstützt. Darüber hinaus werden von der Fortuna zahlreiche Projekte punktuell oder über einen längeren Zeitraum durchgeführt. Dazu gehören auch Leuchtturmprojekte der DFL Stiftung wie „Willkommen im Fußball“, „Fußball trifft Kultur“ oder jetzt „Lernort Stadion“. Der Düsseldorfer „Bildungskick Lernort Stadion“ ermutigt Schüler und Jugendliche im Alter von 13 bis 20 Jahren, sich mit politischen Fragen auseinanderzusetzen und sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. In einer Zeit, wo viele junge Menschen hinsichtlich ihrer Sorgen glauben, von der Politik nicht gehört zu werden, hält es die Fortuna für dringend geboten, dieser Zielgruppe zusätzliche Angebote bezüglich politischer Bildung, sozialer Kompetenzen oder Prävention anzubieten, um Schüler und Jugendliche auf ihren Übergang in ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten.

Wie unterstützt Fortuna Düsseldorf das Projekt konkret?

Die Fortuna unterstützt den „Bildungskick Düsseldorf“, indem sie gemeinsam mit D.LIVE die Räumlichkeiten in der Merkur Spiel-Arena zur Verfügung stellt und im Rahmen der zweitägigen Workshops die obligatorische Stadionführung organisiert und durchführt. Darüber hinaus konnte Shinta Appelkamp, ein zwanzigjähriger Spieler aus der Nachwuchsabteilung der Fortuna, der in der abgelaufenen Saison zum Stammspieler in der Lizenzmannschaft wurde, für dieses Projekt als Pate gewonnen werden.

„Das Fußballstadion bietet für jeden unserer Workshops Anknüpfungspunkte.” (Stefanie Stausberg)

Stefanie Stausberg , Projektkoordinatorin beim Düsseldorfer BildungsKick.

Stefanie, Paul Jäger hat die Stadionführung zuvor angesprochen. Welche Orte eignen sich in Eurem Stadion besonders für die Verbindung von Fußball und politischer Bildung?

Das Fußballstadion bietet für jeden unserer Workshops Anknüpfungspunkte. Die Bierbuden und bestimmte Werbebanner ermöglichen eine kritische Betrachtung von Alkoholkonsum oder Wettverhalten. Weiterhin steht die Fankurve leider nicht nur für die hier stattfindenden Aktionen gegen Antisemitismus und Rassismus, sondern ist auch Ort rassistischer, homofeindlicher oder sexistischer Gesänge oder Banner. Auch die spannenden, vielfältigen Biografien der einzelnen Spieler von Fortuna Düsseldorf eignen sich als Einstieg für die diskriminierungssensible Bildungsarbeit.

Was ist für die nächste Zeit geplant und worauf freust Du Dich am meisten? 

Ein halbes Jahr haben wir in Zusammenarbeit mit tollen Kooperationspartner*innen an der organisatorischen und didaktischen Ausgestaltung der Workshops gearbeitet. Ein Start in Präsenz hat sich auf Grund der pandemischen Lage leider immer weiter hinausgezögert. Am meisten freue ich mich daher darauf, diese endlich in der Arena realisieren zu können und gemeinsam mit den Jugendlichen spannende Workshops zu erleben. Auch kenne ich meine Kolleg*innen der anderen Lernorte bislang nur virtuell. Ich freue mich auf den weiteren Austausch, und vielleicht ist in den nächsten Monaten ja schon ein erstes persönliches Kennenlernen möglich.

Abschließend Herr Jäger, was wünschen Sie dem Lernort für das erste Jahr?

Für das erste Jahr wünsche ich unserem „Lernort Stadion“, dass er möglichst viele Präsenz-Workshops durchführen kann und darf und dass alle Beteiligten, Schüler, Jugendliche, Lehrer etc. von den angebotenen Modulen und von dem rot-weißen Klassenzimmer begeistert sind. Ich wünsche mir, dass sich schon Ende 2021 andeuten wird, dass der „Bildungskick Lernort Stadion“ sich als gemeinsames Projekt von Fortuna, dem Jugendring Düsseldorf und dem Fan-Projekt vollständig etablieren kann und aus den außerschulischen Bildungsangeboten unserer Stadt nicht mehr wegzudenken ist.

Vielen Dank!

Fotonachweise: DFL/Getty Images/Alexander Scheuber; DFL/Getty Images/Lukas Schulze

mhadamzik

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