Nachgefragt beim Lernort Bremer Brücke

Das Programm „Lernort Stadion“ nutzt seit 2009 an inzwischen 23 Standorten die besondere Atmosphäre von Fußballstadien, um das Interesse junger Menschen für politische Bildung zu wecken und sie dazu zu ermutigen, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen.  

Einer von drei neuen Standorten im bundesweiten Netzwerk des Programms ist der Osnabrücker Lernort Bremer Brücke. Wir haben mit Freddy Fenkes, Vizepräsident bei dem am Projekt beteiligten Proficlub VfL Osnabrück, und Projektkoordinatorin Tina Schröter vom Fanprojekt Osnabrück über die Besonderheiten des Standorts und die Zukunftspläne des Lernorts gesprochen.

Tina, nach einer längeren Pause im Lernort Bremer Brücke könnt Ihr nun in Kürze wieder Jugendliche in Präsenzworkshops begrüßen. Was sind Eure inhaltlichen Schwerpunkte und was zeichnet Euren Lernort aus?

Der Lernort Bremer Brücke bietet bereits seit 2017 regelmäßig Workshops für Schülerinnen und Schüler ab der Jahrgangsstufe 8 bzw. ab 14 Jahren sowie weitere Jugendgruppen z.B. aus der Jugendsozialarbeit an. Erstmals mussten wir coronabedingt längere Zeit pausieren. Wir freuen uns nun umso mehr, bald wieder mit Workshops im Stadion starten zu können – natürlich unter Beachtung aller behördlichen Auflagen und ggf. mit einer reduzierten Anzahl an Teilnehmenden. Dank der Förderung durch die DFL Stiftung sowie der Unterstützung von der Fanabteilung und dem VfL-Museum können nun deutlich mehr Veranstaltungstage geplant werden, was der anhaltend hohen Nachfrage am Standort entgegenkommt.

Aktuell bieten wir Workshops in den folgenden Modulen an: Fußball und Zeitgeschichte, Diskriminierung und politische Einflüsse im Fußball, Fußball zwischen Tradition und Moderne und „Nie wieder!“- Tag der Erinnerung. Regulär handelt es sich um eintägige Veranstaltungen, aber auch zweitägige Workshops sind geplant. Die Ablaufpläne und Inhalte stimmen wir jeweils individuell auf die Bedarfe und Wünsche der Schulen bzw. Jugendgruppen ab.

Durch das außergewöhnliche „Klassenzimmer Bremer Brücke“, den Bezug der Veranstaltungen zum Fußball im Allgemeinen und den VfL Osnabrück im Besonderen erreichen wir Jugendliche und können sie für gesellschaftspolitische Themen sowie Probleme interessieren und sensibilisieren.

„Wir wollen Jugendlichen über die Faszination Fußball und im Rahmen eines außerschulischen Angebots Zugang zu politischen Bildungsthemen eröffnen." (Tina Schröter)

Tina Schröter, Projektkoordinatorin Lernort Bremer Brücke.

Welche Ziele verfolgt Ihr mit den Workshops?

Wir wollen Jugendlichen über die Faszination Fußball und im Rahmen eines außerschulischen Angebots Zugang zu politischen Bildungsthemen eröffnen. Sie sollen motiviert werden, sich mit Themen wie Diskriminierung, Ausgrenzungsmechanismen und Vorurteilshandeln auseinanderzusetzen. Auch wollen wir sie darin bestärken, sich aktiv am gesellschaftlichen, politischen Leben zu beteiligen und ein Bewusstsein für demokratische Werte zu entwickeln.

Herr Fenkes, der VfL Osnabrück unterstützt das Projekt als Proficlub vor Ort. Warum ist das Projekt dem Club wichtig?

Der VfL Osnabrück nutzt den Fußball als Mittel der Integration. Durch niederschwellige Angebote möchten wir den Zugang zum Sport (nicht nur Fußball) ermöglichen und Integration und gesellschaftliches Miteinander unterstützen. Unser Ziel ist es zudem, das Engagement für Demokratie und Vielfalt sichtbarer zu machen und unser Wirkungspotential zu erweitern.

Mit „Lernort Stadion“ möchten wir Schüler*innen zur selbstbestimmten Teilhabe an unserer Gesellschaft und zur aktiven, verantwortungsvollen Mitgestaltung der Demokratie befähigen. Wir möchten ihnen vermitteln, wie sie Fremdenfeindlichkeit und Fake News erkennen und abwehren können.

„Schüler*innen sollen über den Fußball oder andere Sportarten zu Themen der politischen Bildung wie Gleichberechtigung, Toleranz oder gesellschaftlicher Teilhabe angesprochen werden." (Freddy Fenkes)

Wie unterstützt der VfL Osnabrück das Projekt?

Der VfL Osnabrück unterstützt das Projekt, indem er Zugänge zum Stadion und zu für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Bereichen schafft. Zum Beispiel finden Teile der Workshops im Presseraum oder der Mixed-Zone des Stadions statt. Auch inhaltlich steht der Club dem Projekt zur Seite. Er unterstützt zum Beispiel mit Vorträgen und hilft bei der Auseinandersetzung mit Themen wie politischen Einflüssen im Fußball oder dem Fußball zwischen Tradition und Moderne.

Darüber hinaus gibt es für den Lernort kommunikative und finanzielle Unterstützungen durch das VfL-Museum und die Fan-Abteilung.

Freddy Fenkes, Vizepräsident VfL Osnabrück.

Herr Fenkes, als ehemaliger Lehrer haben Sie bereits einige Unterrichtsstunden miterlebt. Was ist für Sie das Besondere am Lernort Bremer Brücke?

Schüler*innen sollen über den Fußball oder andere Sportarten zu Themen der politischen Bildung wie Gleichberechtigung, Toleranz oder gesellschaftlicher Teilhabe angesprochen werden. Außerdem sind Jugendliche häufig über den Fußball, hier speziell durch den Lernort Bremer Brücke, lernbereiter und aufmerksamer in den Unterrichtsstunden. In Abschlussgesprächen stelle ich immer wieder fest, dass Schüler*innen, die am Unterricht im Lernort Bremer Brücke teilgenommen haben, ein Erfolgserlebnis mit nach Hause nehmen – das gilt übrigens auch für die Lehrer*innen!

Tina, Teil Eurer Workshops ist stets eine Stadionführung der besonderen Art. Wie stellt Ihr dort die Verbindung zwischen dem Fußball und politischer Bildung her?

Wir nutzen unterschiedliche Stadionbereiche, z.B. Spielerkabinen, Tribünen, VIP-Logen oder das VfL-Museum, während unserer Arbeitsphasen mit den Jugendlichen. Dort erfährt man dann auch immer etwas über Spezifik und Historie der Bremer Brücke, gespickt mit der ein oder anderen Anekdote.

Tina, was ist Euch im kommenden Projektjahr besonders wichtig?

Zunächst hoffen wir natürlich, wie alle anderen, dass sich die pandemische Situation zeitnah entschärft und bei uns sowie auch den Schulen wieder Normalbetrieb möglich ist. Wir freuen uns sehr darauf, bald wieder Schulklassen und Jugendgruppen an der Bremer Brücke begrüßen zu dürfen. Wichtig ist uns zudem, das Angebot nun auszuweiten und die Workshops fortwährend inhaltlich weiterzuentwickeln.

Vielen Dank!

Headerfoto: DFL/Getty Images/Lukas Schulze

mhadamzik

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