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Vorstandsvorsitzende der DFL Stiftung, Franziska Fey bei "Bundesliga bewegt". Foto: DFL Stiftung

30.04.2026

Bewegung als Bildungsressource: Franziska Fey im Interview

„Wir wünschen uns eine Allianz dafür, den Stellenwert von Sport und Bewegung zu erhöhen. Bewegung ist als Bildungsressource unverzichtbar und muss einfach noch fester verankert werden.“

Franziska Fey ist seit dem 1. September 2020 Vorstandsvorsitzende der DFL Stiftung. Sie ist bereits seit 2015 für die Stiftung tätig. Vor ihrem Wechsel zur DFL Stiftung arbeitete Fey mehrere Jahre für die Robert Bosch Stiftung. Im Interview mit dem SPORT-VERNETZT-Magazin spricht sie über die Entstehung und Entwicklung von „Bundesliga bewegt“, weitere Ziele und darüber, wie sie selbst zum Sport gekommen ist.

Franziska Fey, was bewegt die DFL Stiftung?

Uns bewegt die Potenzialentfaltung junger Menschen in Deutschland und zwar mit unserem größten Hebel, unserer „Superkraft“ Profifußball. Wir haben drei Bereiche, um die wir uns besonders kümmern: In der Spitzensportförderung sind wir Partner der Sporthilfe und fördern gemeinsam die deutsche Nachwuchselite – olympisch, paralympisch und deaflympisch. Der zweite große Bereich ist das gesunde und aktive Aufwachsen. Dort geht es uns insbesondere darum, Kindern und Jugendlichen einen bewegten Alltag zu ermöglichen. Im dritten Bereich nutzen wir den Fußball als Instrument, um Bildung, Demokratie und Sprachentwicklung zu fördern.

„Bundesliga bewegt“ ist inzwischen schon ein paar Jahre alt. Warum ist das Engagement wichtig?

Wir wissen einfach, dass Sport und Bewegung ganz zentrale Ressourcen für die körperliche, soziale und emotionale Entwicklung von jungen Menschen sind. Wir wissen auch, dass viele Kinder und Jugendliche von der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation von mindestens 60 Minuten Bewegung am Tag weit entfernt sind und damit riesige Potenziale verloren gehen. Der Auslöser zum Start von „Bundesliga bewegt“ war die Corona-Pandemie, die den Bewegungsmangel bei jungen Menschen weiter verschärft hat, und die Installation von verschiedenen Bundesprogrammen im Nachgang dazu.

Und wie ging’s konkret los?

Einige Clubkolleginnen und -kollegen aus Freiburg und Bremen waren mit uns und SPORT VERNETZT im Austausch darüber, was Profivereine tun können, wie sie sich besser vernetzen und mehr Bewegungsangebote vor Ort schaffen können. Sie hatten das Konzept bereits in ihre eigenen Kontexte übertragen und dann vorgeschlagen, das Thema übergreifend auch für die Bundesliga und 2. Bundesliga aufzuziehen. Wir haben das diskutiert und – auch durch die Katalysatorwirkung der Bundesmittel – direkt 25 Clubs gewinnen können, mitzumachen. Danach hat sich das weiter sortiert.

Wie hat sich das Programm entwickelt?

Als DFL Stiftung haben wir dann den Rahmen und eine Struktur geboten, und das, was bei SPORT VERNETZT passiert, in die Profifußball-Welt übersetzt. Wir sind in diesem Fall die Kümmerer, die übergeordnet Austausch, Vernetzung und Qualifizierung organisieren und Impulse geben. Das Netzwerk wächst und wir erreichen wöchentlich über 22.000 Kinder. Neben quantitativem Wachstum ist auch mehr Qualität eines unserer Ziele. Ein zentraler Baustein ist für uns die Qualifizierung der Fachkräfte in den Bildungseinrichtungen selbst, damit Bewegung nicht von externen Personen abhängt. Das bedeutet oft auch einfach: Lust machen und Ängste nehmen. Hier können Proficlubs generell gute Impulsgeber sein.

In eurer „Bundesliga bewegt“-Tagung im Februar hattet ihr die schulische Ganztagsbetreuung stark fokussiert. Was war der Grund dafür?

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für jedes Grundschulkind des Landes ist eine große, vielleicht sogar die größte Chance, mehr Bewegung systematisch im Schulalltag zu verankern. Der Ganztag sorgt für mehr Zeit, mehr Struktur und neue Möglichkeiten für Partnerschaften. Allein deswegen gibt es aus meiner Sicht einen Auftrag, sich damit zu befassen. Wir wollen den Clubs aber nicht vorgeben, welche Rolle sie konkret übernehmen sollen. Da gibt es ein breites Spektrum. Ob lediglich als Angebotspartner oder per Übernahme einer Trägerschaft: Es muss zum jeweiligen Standort und den dortigen Schwerpunkten passen. Wir geben den Rahmen und die Orientierung, um als Proficlub im schulischen Ganztag wirksam zu werden..

Welchen Blick habt ihr auf den aktuellen Stand?

Im Moment sind viele Kommunen noch damit beschäftigt, den Anspruch zu erfüllen und die Betreuung überhaupt zu garantieren. Da ist im Sinne der Kinder noch zu wenig Fokus auf der Qualität. Hierin sehen wir eine Aufgabe, partnerschaftlich zu überlegen, was unser Beitrag sein und wie dieser aussehen könnte. Deshalb haben wir in Bremen viele verschiedene Akteure, auch jenseits des Fußballs, zusammengebracht. Es gab einige Antworten, es sind aber auch neue Fragen aufgetaucht. Viele davon lassen sich nur im Dialog mit anderen und über das gemeinsame Gestalten lösen.

Wie bist Du eigentlich selbst zu Sport und Bewegung gekommen?

Ganz persönlich durchs Eltern-Kind-Turnen im sehr jungen Alter. Ich habe eigentlich immer Sport gemacht, aber keinen Leistungssport. Und ich merke einfach, dass mir persönlich Bewegung sehr guttut. Ich habe bis in die Jugend geturnt, tanze seit anderthalb Jahren Salsa, mache gerne Zumba und Pilates. Teamsport habe ich viel ausprobiert. Beruflich bin ich zum Sport über die Stiftungsperspektive gekommen: Bei der Robert Bosch Stiftung haben wir damals einen Hebel gesucht, um Demokratiethemen für junge Menschen attraktiv zu positionieren, und sind dadurch im Stadion gelandet.

Was sind die Zukunftspläne der DFL Stiftung für „Bundesliga bewegt“?

Ein Ziel, das wir haben, bezieht sich direkt aufs Programm: An allen 36 Standorten der Bundesliga und 2. Bundesliga sollen Kinder Zugang zu qualitativ hochwertigen, nahegelegenen, sportartenübergreifenden Bewegungsangeboten haben. In Kooperationen mit anderen Partnern, wie auch SPORT VERNETZT, haben wir natürlich auch ganz Deutschland im Blick, um Impulse für mehr Sport und Bewegung zu setzen.

Gibt es auch Kooperationspartner darüber hinaus?

Ja, wir arbeiten beispielsweise mit der Deutschen Sportjugend zusammen und haben einen Qualitätskatalog für Bewegung in Kitas entwickelt. Uns geht es um größtmögliche Wirkung – die erreichen wir sicher nicht allein. Grundsätzlich versuchen wir, von und mit anderen zu lernen, Ideen weiterzuentwickeln, gute Ansätze aufzugreifen und zu teilen.

Muss in Deinen Augen auch noch Überzeugungsarbeit für das Thema Bewegung geleistet werden?

Wir erleben oft, dass zwar viele Studien und Beweise vorliegen, wie gut Bewegung ist. Irgendwie zählen aber dann Lesen, Schreiben und Rechnen doch mehr und Sport fällt als erstes weg. Dabei sollten die Dinge gar nicht in Konkurrenz gebracht werden, sondern vielmehr gegenseitige Verstärker sein. Deshalb haben wir selbst noch eine Social-Return-on-Invest-Analyse zu unserem „Bundesliga bewegt“-Programm durchgeführt, die ganz klar zeigt, dass jeder investierte Euro mindestens 2,34 Euro an gesellschaftlichem Mehrwert erzeugt. Ein lohnendes Investment also, das sich sowohl positiv auf die physische Gesundheit und folgende Gesundheitskosten, aber eben auch auf Bildung und spätere Erwerbstätigkeiten auswirkt.  Überzeugungsarbeit und das Vorleben von Best Practice ist und bleibt für uns ein relevanter Hebel, um die Themen, für die wir mit „Bundesliga bewegt“ stehen, zu stärken.

Was wünschst Du Dir für euer Engagement?

Wir wünschen uns ein breites Zusammenwirken, eine Allianz dafür, den Stellenwert von Sport und Bewegung zu erhöhen. Bewegung ist als Bildungsressource unverzichtbar und muss einfach noch fester verankert werden.

Fotos: DFL Stiftung, SV Werder Bremen, Jasmyn Groeschke

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